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Geboren ist Herbert
Leupin am 20. Dezember 1916 in Beinwil am See. S0eine Kindheit verbringt er
in Augst (BL).
Nach Abbruch des Gymnasiums tritt der Jugendliche in die Allgemeine
Kunstgewerbeschule in Basel über, sein Berufsziel lautet Grafiker. Den
Entscheid das Gymnasium abzubrechen und statt dessen die Kunstgewerbeschule
zu besuchen befreit Herbert Leupin von einer langjährigen schulischen
Quälerei.
Nach der dreijährigen Ausbildung beschliesst der 18-jährige sich der
praktischen Arbeit zuzuwenden und tritt zu einem unbezahlten Volontariat ins
Atelier von Hermann Eidenbenz ein, wo er rund neun Monate lang arbeitet.
Kurz darauf, mit einem Stipendium von 200 Franken pro Monat in der Tasche,
begibt sich Herbert Leupin für ein Jahr nach Paris. Dort besucht er die
Colins Privatakademie des gleichnamigen Plakatkünstlers, Grafikers und
Bühnenausstatters Paul Colin (1892 –1985). Er nimmt an einem lokalen
Nachwuchswettbewerb teil, wo es darum geht das Signet einer Handelsmesse zu
entwerfen. Herbert Leupin erschafft einen stilisierten Merkur in
Nadelstreifen der telefoniert. Mit dieser Arbeit gewinnt er den 2. Preis und
eine Prämie von 2000 Francs. Es ist sein erstes selbst verdientes Honorar –
er investiert es sogleich in ein grandioses Atelierfest.
Starke künstlerische Eindrücke erhält Herbert Leupin sowohl von Paul Colin,
als auch von dessen stärksten Rivalen Adolphe Jean-Marie Mouron, der besser
unter seinem Künstlernamen «Cassandre» bekannt war.
Nach Ablauf des Pariser Jahres muss Herbert Leupin wieder zurück nach Augst:
sein Stipendium ist abgelaufen und die Rekrutenschule wartet auf ihn. Doch
die militärische Karriere ist kurz und ruhmlos: Herbert Leupin lässt sich
nach nur wenigen Wochen ausmustern.
1936 tritt der 20-jährige eine Stelle bei Donald Brun als Grafiker an, aber
bereits nach weniger als einem Jahr kündigt er diese wieder und beschliesst,
sich selbständig zu machen. Sein erstes Atelier richtet er im Dachgeschoss
des elterlichen Wirtshauses ein; ein Telefon kann sich der Jungunternehmer
vorerst nicht leisten.
Anfangs der 1950er Jahre beginnt Herbert Leupin mit den grossen
Auftragsserien die er vom Ausland erhält: Plakate für Deutschland,
Frankreich, Italien und England, Schallplattenhüllen für die USA, ganze
Werbekampagnen für Argentinien und Brasilien. Immer häufiger erscheint der
Name Leupin in der Publikumspresse und in den Fachzeitschriften der stark
wachsenden Werbeindustrie.
Mitte der Fünfziger Jahre folgen erste Einzelausstellungen: erst in
deutschen Grossstädten, dann in New York und Chicago, wo Leupin 1960 mit der
Ehrenmedaille des Art Directors Club ausgezeichnet wird. Zwischen 1940 und
1970 ist Herbert Leupin der bei weitem am meisten ausgestellte Maler. Mit
seinen Produktplakaten für Firmen wie Bell, Eptinger, Steinfels und viele
andere wird er berühmt.
Er ist Grafiker, Plakatmaler, Marketingberater, Konzeptionist,
Kundenbetreuer, Mediendisponent, Art Director und Reprotechniker in einer
Person: eine Ein-Mann-Agentur. Herbert Leupin gestaltet Verpackungen, macht
Inserate, layoutet Drucksachen, entwirft Dekorations-Elemente und zeichnet
Etiketten. Aber trotz der Vielfalt in seinem Schaffen, steht das Plakat
immer im Vordergrund. So schafft er beispielsweise die Plakate für die
Schweizer Mustermesse und für die Art Basel, wobei er den Namen für die
berühmte Kunstmesse erfindet.
Der Notenständer für Coca Cola, der Pepita-Papagei oder die
Circus-Knie-Plakate mit dem berühmten Knie-Clown gehören genauso zu den
bekannten Arbeiten Herbert Leupins. Die Grundidee für den Knie-Clown
entsteht auf dem Skizzenblock während des ersten Anrufs von Fredy Knie: der
Harlekin, der die vier Buchstaben des Markennamens auf seinem Knie jongliert
und damit in jeder Sprache der Welt und in der Dauer eines Lidschlags mit
Charme und Genauigkeit zugleich kommuniziert, was den Betrachter im Circus
erwartet.
Herbert Leupin wirbt vor allem für einfache, wenig erklärungsbedürftige
Produkte und Dienstleistungen: Kernseife, Mineralwasser, Zigaretten,
Dauerwürste, Schuhe. Der vielseitige und multitalentierte Herbert Leupin
befasst sich mit vielem, und doch zieht sich ein Motiv durch sein ganzes
Schaffen: der Pierrot Clown. Auch als Maler stellt er ihn in allen Facetten
dar: poetisch, hintergründig, komisch, oft auch einsam. Das ist nicht der
Hanswurst, es ist nicht der Narr des Sebastian Brant, es ist auch nicht
bloss der Clown. Es ist die etwas lunatische Figur des unmittelbar
fühlenden, kindlich empfindsamen Menschen, eine so verletzliche Seele, dass
sie die Einsamkeit in der Gesellschaftsmanege schon lange auszuhalten
gelernt hat und sich sogar daran freuen kann, wenn Eindrücke sie
überwältigen.
Herbert Leupin stirbt am 21. September 1999 im Alter von 83 Jahren in Basel. |
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