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Georges Rouault (1871–1958) Er wurde am 27.5.1871 in Paris geboren, wo er am 13.2.1958 auch starb.
Sein Vater war Kunsttischler aus der Bretagne und die Familie lebte in Belleville, einem Distrikt von Paris. Im Alter von 14 Jahren ging er bei einem Glasmaler in die Lehre. 1891 trat er in die Ecole des beaux-arts in Paris ein und belegte Kurse bei Gustave Moreau, dessen Lieblingsschüler und Vertrauter er wurde. 1904 wurde er Konservator des Musée Gustave Moreau in Paris. Nach einer schweren Krankheit und durch die Begegnung mit dem einflussreichen sozialistischen belgischen Politiker Camille Huysmans wurde er zum überzeugten Katholiken.
Um 1905 wandte er sich dem Fauvismus zu, während sein Interesse gleichzeitig dem religiösen Hintergrund seiner Motive galt. Er malte Bilder mit sozialen Motiven, z.B. Prostituierte und Richter, in einem Stil, der an Karikaturen von Daumier erinnert. Seine Figuren umrandete er dabei mit dicken schwarzen Konturen, die den Bleifassungen eines Kirchenfensters ähneln. Zwischen 1917 und 1928 illustrierte er Bücher für den engagierten kreolischen Kunsthändler Ambroise Vollard, unter denen vor allem «Die Blumen des Bösen» und die berühmte Folge «Guerre et Miserere» hervorstechen. In der Folgezeit malte er mit Ausnahme einiger Clowns und Pierrots ausschliesslich religiöse Themen: vor einem christlichen Hintergrund betrachtete er das Elend und die Sünden dieser Welt. Wenn seine den Prostituierten gewidmete Serie einige stilistische Ähnlichkeiten mit Toulouse-Lautrec aufwiesen, war es doch eher Dostojewski, dem er sehr nahe stand. 1945 schuf er die Fenster für die Kirche von Assy, und 1949 führte er Emailarbeiten für die Abtei von Ligugé aus.
Er selbst meinte, dass er nicht in das moderne Leben passen würde, da sein wirkliches Leben in die Zeit der Kathedralen gehörte. In den letzten Jahren seines Lebens verliess er kaum sein Atelier. Er schuf eine neue «Göttliche Komödie», in der er aus Hölle, Leid und Elend zu den intensivsten religiösen Visionen aufstieg, welche die Kunst des 20. Jahrhunderts kennt.
Er stellte verschiedentlich in der Galerie Druet und bei Vollard in Paris aus, später auch bei Garets, und nahm 1955 an der Dokumenta von Kassel teil. Seine Werke befinden sich in den Museen von Paris, Grenoble, London, Frankfurt, Kopenhagen, Moskau, New York und Zürich.
Quelle: Reclams Künstlerlexikon, DuMont’s Chronik der Kunst im 20. Jhd.
© Copyright Galerie HILT AG, 1999/ab
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