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Le Grand Pavois, 1956 9-Farben Lithographie 107/175 L'Oeurvre Gravée Nr. 94 67 x 51,4 cm, K475 |
Maurice Estève (1904-2001) Maurice Estève wurde am 2.5.1904 in Culan (Département Cher/F) geboren und starb am 29.6.2001 im selben Ort. Er verbrachte seine Jugend im Berry, südlich der mittleren Loire in der Nähe von Bourges. 1913 zogen seine Eltern mit ihm nach Paris, wo er bald zum ersten Mal den Louvre besuchte. Sehr früh begann Maurice Estève, sich als Autodidakt künstlerisch zu bilden. 1923 entwarf er Stoffmuster für eine Textilfabrik in Barcelona. Hier entdeckte er die katalanische Romanische Kunst. Zurück in Paris besuchte er das freie Atelier der Akademie Colarossi und begann gleichzeitig, intensiv die Kunst der Primitiven wie Ucello oder Fouquet zu studieren. Von den Modernen übte Cézanne den grössten Einfluss auf den jungen Künstler aus. Ab 1928 wandte sich Maurice Estève immer mehr Ferdinand Léger zu. Seine Werke wurden zusehends abstrakter. Dabei entwickelte er eine originelle Synthese aus kubistischer Formensprache und fauvistischer Farbenwelt. In einer kurzen Phase seines Schaffens beeinflussten ihn auch die Surrealisten.
In den späten 20er Jahren kam es zu den ersten Einzelausstellungen in der Galerie Yvangot und im Salon der Surindépendants in Paris. 1937 entstanden unter der Leitung von Robert Delaunay grosse Dekorationen in den Pavillons für Eisenbahn und Flugwesen an der Weltausstellung in Paris. Allmählich galt Maurice Estève als bedeutender Vertreter der «Nouvelle École de Paris». 1954 nahm er an der Biennale in Venedig teil. Diverse Retrospektiven folgten in Museen in Kopenhagen und Stockholm. 1957 wurden die Glasfenster für die Kapelle in Berlincourt im Schweizer Jura fertig gestellt. Die Kunsthalle Basel widmete ihm 1961 eine Retrospektive mit Ölbildern und Aquarellen. Die Tate Gallery in London stellte 1962 eine grosse Anzahl seiner Werke aus. 1970 erhielt Maurice Estève den «Grand Prix National des Arts».
Bekannt ist, dass Maurice Estève in seinen Werken nicht von einer vorgefassten konzeptionellen Idee ausging. Der Arbeitsvorgang des Malens bekam einen eigenständigen Sinn zugewiesen. Im kreativen Entstehungsprozess sollte die harmonische Einheit von Form und Farbe erst hervorgebracht werden. Seine Methode war es, die Farbe wie von selbst fliessen zu lassen, um daraufhin – inspiriert durch die spontane Dynamik – den sich bildenden Flecken zu folgen. Maurice Estève liess aber nicht einfach dem blinden Zufall freien Lauf, sondern verstärkte einen Farbton oder wandelte eine Form so ab, dass das Werk zu höchster Leuchtkraft gebracht wurde. Die Farben riefen die Formen hervor. Das Spiel zwischen Farben und Formen wurde auf diese Weise schillernd und komplex. Gewolltes und Unvorhersehbares vereinten sich auf faszinierende Weise. Maurice Estèves Oeuvre ist äusserst mannigfaltig. Es umfasst Ölbilder, Aquarelle, Glasfenster, Tapisserien, Collagen und Zeichnungen. Seine Werke sind in vielen renommierten Museen und Sammlungen auf der ganzen Welt vertreten.
Ausstellungen in der Galerie HILT: «Bissière, Manessier, Singier, Estève» 1956
Quellen: Katalog «Maurice Estève» Neue Galerie, Zürich, 1968, 1973.
© Copyright Galerie HILT AG, 2002/ab-tr
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