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Franz Eggenschwiler (1930-2000) Franz Eggenschwiler wurde am 9.12.1930 in Solothurn geboren und starb am 12.7.2000 in Bern.
Seine Jugend war durch eine streng katholische Erziehung geprägt. Nach der Grundschule in Biberist machte er eine Lehre als Glasmaler. Gleichzeitig mit D. Roth, B. Luginbühl, R. Iseli und R. Memprecht war er Kunstgewerbe-Schüler in Bern und bildete sich dann in der Malschule von M. von Mühlenen weiter.
Von 1951-1968 war er als Glasmaler in Bern tätig und von 1955-1971 bildete er mit P. Meier, K. Vetter und R. Wälti die «Berner Arbeitsgemeinschaft». Anfänglich schuf Franz Eggenschwiler Bilder, Skulpturen und Grafiken in Anlehnung an den Konstruktivismus. Ab 1967 begann er, aus Fundgegenständen und Abfällen Assemblagen und Objekte zu gestalten und Schmuck anzufertigen. Er entwickelte unter dem Einfluss von Beuys eine Objektsprache, die sowohl den Symbolfunktionen wie auch der individuellen Poesie der Alltagsdinge nachspürte.
Sie führte ihn in eine Dingwelt ohne moralische Belastungen. Dieser Perspektivwechsel ermöglichte es ihm, die Schrottberge der Von-Roll-Werke in eine Märchenlandschaft voller Magie und rätselhafter Zeichen zu verwandeln.
Die besondere Faszination für den Druck-Vorgang liessen ihn u.a. eine innovative Art des Offset- und Holzdrucks entwickeln. Beim Holzdruck übertrug er die Formen auf eine furnierte Holzplatte, sägte sie aus und setzte sie für den Druck wieder zusammen. Die Struktur und Maserung der verschiedenen Holzplatten bezog er gezielt ein und druckte die einzelnen «Puzzle-Teile» miteinander oder nacheinander in ganz präziser Farbgebung, häufig in mehreren Schichten. Inhaltlich basierten sie oft auf den sogenannten «Telefonskizzen» - Zeichnungen, die fast beiläufig beim Telefonieren entstanden und als Ideengrundlage dienten. Die Grafik wurde neben der Plastik und der Kunst am Bau für Firmen und öffentliche Institutionen zu einem Schwerpunkt in seinem künstlerischen Arbeitsprozess. Für Grafik und Zeichnen hatte er von 1981-1996 auch eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf inne, nachdem er 1980/81 dank eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Berlin tätig war.
Nach dem Brand seines Wohn- und Atelierhauses, einem traumatischen Erlebnis, durch das viele seiner Werke und von Künstler-Freunden verbrannten, wurde die «Franz und Rosemarie Eggenschwiler Stiftung» gegründet, die einen Neubau für seine weitere Tätigkeit sowie Ausstellungen diverser Künstler ermöglichte.
1971 erhielt er den Förder- und 1980 den Kunstpreis des Kantons Solothurn.
Er nahm 1972 an der «Documenta 5» in Kassel teil. Er stellte in Galerien und Museen v.a. in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz (u.a. im Kunstmuseum Basel) aus.
Werk und Arbeit
Wenn ihm auch zuweilen vorgeworfen wurde er sei ein unbändiger Kunstproduzent - davon zeugen etwa seine riesigen Auflagen oder die vielen Variationen von Druckgrafiken und Multiples - so sind doch in diesen letzten Aquarellen von Franz Eggenschwiler die grosse Einkehr, Sensibilität und Liebe zum handwerklich einzigartigen spürbar, die seit jeher seine grossen Werke kennzeichneten.
Entscheidend für seine Kunst war die Tatsache, dass Franz Eggenschwiler in Kiesgruben, Bachbetten, Schrott- und Abbruchplätzen eine wertungsfreie Welt ohne moralische Vorbelastung und voller kreativer Freiräume entdeckt hatte - musste er doch in seiner Jugend durch die streng katholische Erziehung viele Tabus und Schuldgefühle in Kauf nehmen. Seine angestaute schöpferische Phantasie entflammte sich an der brachliegenden Dingwelt, die er durch Assemblagen neu belebte und die ihn zum Objektkünstler par excellence werden liess.
Er kombinierte Gefundenes mit von ihm Geschaffenem. Dadurch unterscheiden sich seine Werke ganz klar von den «Objets trouvés» der Surrealisten. Eggenschwiler wirkte nach der Devise «Man muss um die Ecken herumdenken. Die Erfolgreichen denken geradlinig, eingleisig. Und gerade ihre Erfolge sind es, die uns schliesslich in die Sackgasse führen».
Die Druckgrafik bildet einen Schwerpunkt in seiner künstlerischen Arbeit. Für den Holzdruck wird nicht wie beim Holzschnitt in Holz geschnitten, sondern die Formen werden auf eine furnierte Holzplatte übertragen, ausgesägt und für den Druck wieder zusammengesetzt.
Zwischen 1985 und 1987 zeigten mehrere Museen in Deutschland, Holland und der Schweiz eine Retrospektive, zu der auch ein Katalogbuch erschien.
Kennengelernt habe ich Franz Eggenschwiler bei einer
Ausstellung in Burgdorf. Schon damals fiel mir auf, dass seine Stirn immer
mit Schweissperlen bedeckt war. Balz Hilt wollte ihn zu einer Ausstellung nach Basel
einladen - er war aber wegen seiner zahlreichen
Projekte und seinem kürzlich abgebrannten Wohn- und Atelierhaus in Eriswil
mit allerlei anderen Problemen beschäftigt. Anlässlich eines zweiten
Besuches in Eriswil entstand die Idee zur Gründung einer Stiftung die den
Wiederaufbau des Hauses zum Ziel haben sollte. Diese Idee bildete die Basis
zu einer langen, intensiven Freundschaft und Zusammenarbeit. Wann immer ich
Franz begegnete, arbeitete er voller Tatendrang an zahlreichen
künstlerischen Projekten und engagierte sich gleichzeitig für den Neubau und
die Stiftung. Erst als die Grundmauern des Stiftungshauses standen und
die Probleme mit Gläubiger-Banken, Versicherungen und Ämtern beseitigt
schienen, fand ich ihn eines Abends im Atelier, still an seinen Aquarellen
arbeitend. Dann hatte er erstmals keine Schweissperlen mehr auf der Stirn.
Christian R. Ragni, Juli 2004 |
Werke (Auswahl)
1968 Treppenwürfel, 1968, Sammlung Ernsting/Westfalen 1970 Schneedecke, Kunstmuseum Bern, Sammlung Toni Gerber 1969 Volumen, Kunstmuseum Basel 1979 Schleuderstrumpf-Objekt, Musée d'art et d'histoire, Genf 1987 Kastenrelief, Schweiz. Mobiliar Versicherung, Bern 1997 Windräder-Skulptur, Verwaltungsgebäude der Gemeinde, Langenthal
Ausstellungen in der Galerie HILT 1997 Multiple Art: Eggenschwiler, Giger, Kirova 2004 Franz Eggenschwiler «Letzte Aquarelle»
Quellen
Dokumentation der Galerie HILT, div. Künstler-Lexiken; Katalog des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen, 1985, Dokumentation zur Einweihung der Windräder-Skulptur, 1997.
© Copyright Galerie HILT AG, 2004/kr-tr |
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