
|
Roger
Bissière (1888 - 1964)
Er
wurde am 22.9.1888 in Villeréal (F) geboren und starb am 2.12.1964 in
Boissiérette (F).
Roger
Bissière studierte in Bordeaux und liess sich 1910 in Paris nieder. Als Freund
von Georges Braque war er fasziniert vom Kubismus und lehrte von 1925-38 an der
Académie Ranson in Paris.
1939
zog er sich mit seiner Frau und seinem Sohn wieder in seine ursprüngliche
Heimat zurück, wo er das bescheidene Leben eines Landwirtes führte. Eine
schwere Augenkrankheit hinderte ihn daran, sich weiter der Malerei zu widmen.
Dafür entstanden prunkvolle Stoffapplikationen mit Hilfe seiner Frau Mousse,
deren Themen die Sonne, das Mondlicht und der Ziegenhirt waren. Sie wurden aus
Sackleinen und alten Stoffresten hergestellt, Dreck wurde zu Gold - das ist das
Werk eines Alchimisten. Im Juli des Jahres 1950 wurde er schliesslich am Grünen
Star operiert, der Eingriff rettete sein Augenlicht, er konnte wieder sehen und
somit verschwand die stoffliche Welt.
Wie
viele Künstler dieses Jahrhunderts war Roger Bissière fasziniert von der
afrikanischen Skulptur, von ozeanischen Tapas (Gewebe aus Baumrinde) und von
Kinderzeichnungen. Er begann wieder Oelbilder zu malen, in denen er
Naturerlebnisse in abstrakter Art, in fein abgestuften Farbflecken, wiedergab.
Er wurde zum Hauptvertreter der Informellen Kunst, der sogenannten «Ecole de
Paris». Zu seinen Schülern gehörten Manessier, Le Moal und Bertholle.
In
Anlehnung an ozeanische Tapas bildeten seine Bilder rätselhafte Schriften mit
mattierten Oberflächen, die der Künstler durch eine mit Ei versetzte Farbe
erzielte, wobei das Eigelb die Verbindung von Wasser und Oel erlaubte. Bissière
malte übrigens gern auf äusserst schlichten Unterlagen wie Karton, kleinen
Brettern und Papier - als wollte er die ganze Bescheidenheit des
Experimentierenden beibehalten, der nichts definitiv festlegen will.
Roger
Bissière strahlte die gleiche Magie aus wie Paul Klee und verherrlichte wie
dieser den Morgen der Welt. Am Anfang seiner Karriere fand er zum Kubismus, von
ihm übernahm er die Zerlegung des Gegenstandes, die Auflösung des Raumes und
die Vervielfältigung der Ebenen. Höhepunkt seiner Werke waren eindeutig seine
abstrakten Bilder.
|
Werke
(Auswahl)
1957-1960 Glasfenster für die Kathedrale in Metz
1958 Fenster der Kirche in
Cornol, Jura (CH)
1945 Die schwarze Venus
1950 Musée National des Arts
Modern, Paris; Gelb und Grau
1950 Musée National des Arts Modern, Paris; Hommage
an Angelico, Amsterdam Stedelijk Museum
Preise
1952
Prix national des arts Frankreich
Sammlungen
Sonja Henie-Niels-Onstad-Stiftung, Norwegen
Ausstellungen
in der Galerie HILT
1958 Bissière, Manessier, Singier, Estève
Quelle/n
Reclams Künstlerlexikon, DuMont's Chronik der Kunst im 20. Jh.
©
Copyright Galerie HILT AG, Basel, 1998/ab
|