Tom Wesselmann wurde am 23. Februar 1931 in Cincinnati, Ohio geboren und
ist am 17. Dezember 2004 in Manhattan gestorben.
Nach Beendigung der Grundschule studierte er an der Universität, an der
Art Academy in Cincinnati und an der Cooper Union School in New York. Er
lebte und arbeitete während Jahren in New York, später zog er an die
Westküste der USA. Nach anfänglichen Versuchen im Stil des abstrakten
Expressionismus begann er bald mit Collagen im Geiste der Gouacheschnitte
von Matisse zu experimentieren.
Schliesslich wandte er sich der Pop-Art zu und wurde zu einem ihrer
bedeutendsten Repräsentanten. Wie auch bei anderen Vertretern der Pop-Art
dienten ihm Darstellungen in Massenmedien, wie Werbeprospekte, Plakate, Film
und Fernsehspots als Vorlagen und Sujets. Wesselmann entwickelte
Rauschenbergs Assemblage-Techniken weiter, indem er eine Synthese aus
Gemäldewand und Umgebung schuf. Es entstanden Objekte, die mit den Bildern
verbunden waren. In seiner Serie der «Badewannen» z.B. verband er
Gegenstände wie Badezimmertüren, Handtücher oder Wäschekästen mit seinen
Bildobjekten.
In den «Great American Nudes» stellte er ab 1962 weibliche Körperteile,
wie Mund oder Brust in riesigen Formaten und plakativen Farben und Formen
dar. Auch diese umgab er mit Konsumrequisiten wie Heizkörper, Badewannen
oder Radios. Die so entstandenen raumplastischen Wandtafeln gestatten im
Gegensatz zur Umgebung jedoch nur die frontale Ansicht. Das Bild der
«modernen Frau», sonnengebräunt von langen Strandaufenthalten, schlank durch
strenge Diäten, gelackt wie aus Modefotos in Hochglanzillustrierten, bilden
ein wichtiges Thema seines Schaffens.
Tom Wesselmann repräsentiert den Modernismus seiner Zeit in
hohem Ausmass. Seine perfekten Kompositionen sind in klaren «Designerfarben»
gehalten und widerspiegeln so eine glatte und kühl anmutende Fassade. Die
von ihm angewandte Technik der Verschiebung und des Ineinanderfliessen
lassen von Betrachtungsebenen entpuppt sich für den Betrachter als «Tromp
d’Oeil» in mehrschichtiger Weise: man weiss nicht mehr, wo die Kunst beginnt
und der Raum endet. Wesselmann führt den Betrachter so zur Frage der
Wahrnehmungsebene innerhalb der Konsumgesellschaft.
Seine Werke sind in allen grossen Museen der Welt vertreten. Trotz
jahrzehntelanger Produktivität und weltweitem Renomée fand sich zu Lebzeiten
kein Biograf, der den Künstler und sein Werk angemessen gewürdigt hätte -
eine Tatsache, der Wesselmann mit Humor begegnete. Unter dem klangvollen
Pseudonym «Slim Stealingworth» schrieb er kurzerhand selbst eine
Monographie.
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