Martin Sollberger und Kaspar Weidmann arbeiten seit 2006 und der Zeit ihres
Studiums an der Kunsthochschule in Genf am vorliegenden Projekt zusammen.
Beim ersten Betrachten der Bildwelten vermutet man am Computer entwickelte
Grafiken. Dabei handelt es sich jedoch um Werke, die mit Pinsel und Farbe
auf Leinwand geschaffen wurden.
Die beiden in Zürich geborenen Künstler thematisieren in ihren Werken
Malerei und computergeneriertes Bild. Ihre Bildwelten entstehen dabei aber
ganz real: als Modelle dienen ihnen dreidimensionale Aufbauten aus Gips,
Holz oder Karton, die auf einer Bühne inszeniert und beleuchtet werden.
Jedes Gemälde ist jeweils nur von einem Künstler geschaffen worden – dennoch
ist die Seelen- und Arbeitsgemeinschaft im Bilderzyklus erkennbar und
zugleich unzertrennlich.
Martin Sollberger und Kaspar Weidmann, die seit 2006 zusammenarbeiten,
thematisieren in ihren Bildern die Auseinandersetzung zwischen Malerei und
computergeneriertem Bild.
Analog zur digitalen dreidimensionalen Bildsimulation, wie sie für die
Architektur oder für Spielkonsolen entwickelt wird, erweitert sich in ihrer
Malerei die Bildfläche zu einem virtuellen Bildkubus, in dessen begrenzter
Tiefe sich die Vorstellung räumlicher Konstellationen visualisieren kann.
Figuren erscheinen darin anonym, als synthetische entpersonifizierte
Objekte, wie ein Tisch oder ein Stuhl, um diesen imaginären Raum zu
bespielen. Seit ihrem Studium an der Kunsthochschule in Genf arbeiten die
beiden Künstler an diesem Projekt, in dem sich die gegenständlich-räumliche
Malerei mit dem Verständnis konkreter-konstruktiver Kunst und der
Beeinflussung digitaler Präzision computergenerierter Bilder verbindet.
Ihr Medium ist die Farbmodulation, das Simulieren von Raumdimension durch
chromatische Tonwertabstufung, wobei sie sich – der Problematik
dreidimensionaler Wirkung auf der Fläche bewusst – auf einen begrenzten
Bildraum reduzieren.
Eine kritische Auseinandersetzung mit Tendenzen der Enthumanisierung in der
Welt der Spielkonsolen zwischen Gewalt und Unterhaltung verbindet sich in
ihren Bildern mit der Faszination des Malers mit einer neuen Dimension
bildnerischer Realität. Ihre Bildwelt entsteht über dreidimensionale Modelle
aus Gips, Holz oder Karton, die auf einer Bühne inszeniert und beleuchtet
werden, um sie über Zeichnungen und Digitalfotografie in die Malerei
umzusetzen.
Es entstehen imaginäre Inszenierungen verschiedener Objekte, die durch ihre
Anordnung, Beleuchtung und Farbigkeit unbestimmte Suggestionen erzeugen.
Die Grundfarbigkeit ihrer Bilder ist ein Komplementärgrau im mittleren
Bereich der Hell-Dunkel-Tonwertskala, eine Farbstimmung, die zwischen Tag
und Nacht liegt, ein Dämmerzustand in einer künstlich konstruierten Welt. In
dieser Komplementärgrausphäre halten sich die verschiedenen Elemente der
Komposition in einem subtilen Gleichgewicht, das durch einen Kontrapunkt
intensiverer Farbigkeit in ein visuelles Spannungsfeld gesetzt wird.
Die gegenständliche Darstellung dieser Bilder, ihr narrativer Charakter,
bleibt ein Vorwand auf der Bildoberfläche, um auf einer zweiten Ebene die
Formen der gesicherten Identität zu verlassen, um hinabzutauchen in eine
Wahrnehmung unbegreiflicher und fremder Umstände einer irrationalen
virtuellen Parallelwelt.
Unbestimmte Daseinsformen warten in der Dämmerung, telekinetische Kräfte
entfalten sich, okkulte Erscheinungen werden beleuchtet in einer Sphäre des
Unterbewussten.
Die zu Objekten mutierten Figuren und Dinge schweben schwerelos durch die
synthetische Einsamkeit künstlicher Welten, in ihren körper- und seelenlosen
Daseinsformen, verloren in einer Schattensphäre im Komplementärgraubereich,
beleuchtet durch ein Restlicht unbekannter Herkunft.
Verschiedene Assoziationen werden wachgerufen, wie die Sehnsucht nach der
verlorenen Kindheit oder einer Reise nach anderswohin, in ein Land, welches
nicht durch die Gesetze der Schwerkraft auf den Boden der Realität gebunden
ist.
Der aktuelle Bezug dieser Arbeit liegt in der Auseinandersetzung mit der
synthetischen Künstlichkeit computergenerierter Bilder, im Reduzieren
gegenständlicher Objekte auf ihre Grundform, in der Umsetzung der realen
Welt in dreidimensionale Modelle, und ihre Abbildung dient als Grundlage für
die Malerei.