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Il potere magico dell'ago, 2001

Tempera auf Leinwand

105 x 157 cm

 

 

 

«Il sogno del toro», 2001

Tempera auf Leinwand

148 x 220 cm

 

 

 

 

«Il potere magico dell'ago», 2001

Tempera auf Leinwand

152 x 112 cm

 

 

 

 

«Le visiteur du matin», 2001

Tempera auf Leinwand

90 x 220 cm

Simonetta Martini (* 25. 3. 1961)

Simonetta Martini hat den beinah gleichen Namen wie der bedeutendste Künstler Sienas, Simone Martini, dessen spätmittelalterliche Werke auf Ende des 14. Jhs datieren. Gleichwohl ist es ihr gewöhnlicher Taufname, nicht ihr Künstlername, wie ein Feuilletonist mokierend einmal gemutmasst hat.

Nach der Matura besucht sie den Vorkurs der Kunstgewerbeschule, wechselt dann an die Genfer École supérieure des arts audio-visuels, erhält daraufhin ein Stipendium für den einjährigen Besuch des Schweizer Instituts in Rom, und ist seither im Tessin wohnhaft – allerdings mit einigen Unterbrüchen. Denn die Künstlerin immer wieder ausgedehnte Reisen unternommen, z.B. nach Madagaskar und nach Indien (Kerala, Bombay, Benares, Rajastan) und nach Salvador, wo ihre erste Tochter geboren ist.  – Heute lebt Simonetta Martini in einem Haus nahe der italienischen Grenze, auf einem der Hügel bei Lugano.

Simonetta Martini hat Zeit ihres Lebens sehr viel gemalt. Der entscheidende Anstoss, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen, gab ihr aber ein in Barcelona lebender Onkel. Noch vor der Matura schleppte er – selber bereits vom Tod gezeichnet – die noch unentschlossene, richtungslose Jugendliche durch die Museen Spaniens und ermutigte sie zu einer künstlerischen Karriere. Dieser Mann hatte immer eine scherzhafte, fröhliche Art. Als aber die junge Simonetta, beeindruckt von einer Aegyptenreise, arglos von ihrem Plan erzählte, ein Archäologiestudium beginnen zu wollen, setzte es eine saftige Ohrfeige ab. «Du wirst Malerin!», rief er aus. Entscheidend war letztlich jedoch, dass es ihm gelang, Simonetta Martini in den katalanischen Museen ein tiefes, nachhaltiges Erlebnis der Romanischen Kunst zu vermitteln.

Biografisch bedingt, interessieren die Künstlerin vordringlich Fragen der Erneuerung, der Ursprünglichkeit, des Suchens neuer kraftspendender Wurzeln für ein sinnvolles, sinnerfülltes Leben. Dieses zu finden ist Simonetta Martini gelungen mit Hilfe von symbolischen und gleichnishaften Bildern, die aus einer uralten Welt stammen und uns unmittelbar zu berühren vermögen. So ist auch zu erklären, wieso die Künstlerin gefesselt ist von historischen Epochen des Zerfalls und Niedergangs (Weströmische Spätantike, Byzanz), auf denen dann wieder Zeiten der Wiedergeburt und der Verjüngung folgten (Romanische Kunst, Frühgotik). Zentral sind hier die Aspekte des Essentiellen im einfachen alltäglichen Leben, des Authentischen der elementaren Lebenskraft, die in der «primitiven» Kunst zum Ausdruck kommt. Es geht ihr um die Suche nach dem, was uns Modernen, Vernünftigen und Wohlhabenden verloren gegangen ist.

Die vielfältigen künstlerischen Einflüsse, die Simonetta Martini geprägt haben, klingen nur dann direkt in ihren Werken an, wenn gewisse formale Ähnlichkeiten erkennbar sind. Diese Einflüsse werden auf jeweils ganz eigene Weise verarbeitet und weiterentwickelt. Generelles Kennzeichen ist, dass es stets in Richtung Auslassung und Reduktion und nie in Richtung Virtuosität geht.

Doch das Anliegen der Künstlerin ist nicht die vordergründige «Abwechslung», sondern das beharrliche, geduldige Herausschälen des Archetypischen, hin zu mehr Wahrheit und Wahrhaftigkeit im Dargestellten. Die verschütteten Symbole des Alltäglichen und Gewöhnlichen müssten ihren adäquaten künstlerischen Ausdruck zurückerhalten.

Schliesslich verweist die Künstlerin selber mehrmals auf Vorbilder, die im ersten Moment überraschend sind, weil sie eigentlich eine ganz andere, fremde Formensprache verwenden. Doch ist es die hinter den Bildern erkennbare «Werkidee», die Simonetta Martini z.B. bei Vermeer so fasziniert: die in scheinbar ganz alltäglichen Handlungen oder Ereignissen zum Vorschein kommende Würde. Vermeer gelinge es mit rein künstlerischen Mitteln, in der Darstellung von profanen Tätigkeiten und Dingen eine sakrale Atmosphäre zu erzeugen. Auch Simonetta Martini versucht, wenn auch auf ganz anderen künstlerischen Wegen, das scheinbar Banale auf eine hohe Stufe zu stellen, um so eine befreiende, erlösende Wirkung zu erzielen. Von falschen oder falsch gewordenen Vorbildern und Werten sollen wir uns entfernen, ablösen. Den heute völlig unbeachteten, mechanischen Arbeiten desAlltags wieder ihre spezifische Würde zurückzugeben, ihre Intimität frei zu legen, hat so gesehen auch eine religiöse Dimension. Entscheidend dabei ist aber, nicht ins Theatralische zu verfallen, nicht zu predigen, gelassen zu bleiben, allein die künstlerischen Mittel des Lichteinfalles, des kompositorischen Klanges, der atmosphärischen Dichte sprechen und so ihre Wirkung entfalten zu lassen.

 

Simonetta Martinis künstlerisches Werk wird erst verständlich durch ihr beständiges Suchen nach Einfachheit, Echtheit und Ursprünglichkeit. Diesem Streben soll ein gültiger künstlerischer Ausdruck verliehen werden. Die Künstlerin verarbeitet existentielle, naturreligiöse Erfahrungen, knüpft dabei auch an biblische Themen an, z.B. an das Opfer Isaaks. Der spirituelle Sinn erschliesst sich der Künstlerin – und auch dem Betrachter und der Betrachterin – erst im Rückblick auf den jeweiligen ganzen Werkzyklus. Im Entstehungsablauf selber dagegen ist Intuition nicht nur vorrangig, sondern unabdingbar für den künstlerischen Gestaltungsprozess.

 

So wie nach der Entdeckung der Perspektive das "naive" flächige Malen eine völlig andere, bisweilen sehr tiefgründige Bedeutung bekommen kann, so verweist die Einfachheit in den Bildern Simonetta Martinis auf einen komplexen Reflexions- und künstlerischen Reduktionsprozess. Die Bilder vermitteln ihre Hauptbotschaft gleichsam auf einer zweiten Erzählebene. Paradox formuliert die Künstlerin selber, die Ruhe, die die Bilder ausstrahlten, sei unruhig.

 

Ihr künstlerisches Credo formuliert die Künstlerin so: Das Ziel der Malerei sei es, in einer säkular gewordenen Welt das Sakrale wieder sichtbar werden zu lassen.

 

 

 

 

 


 

Ausstellungen

1983  Rote Fabrik, Zürich

1984, 85, 86 Galerie Palazzo, Liestal

1986, 87 ART’86, ART’87, Basel

1987  Sala Nacionál de Exposiciónes, San Salvador (El Salvador)

1988, 93, 96 Galerie Numaga, Auvernier

1989  Galerie Toni Gerber, Bern

1994  Leicester Art College, England

1998  Galleria La Loggia, Carona

1996, 97 Pitture Murali nella Chiesa Parrocchiale di Novaggio

2000  Antico Monastero Monte Carasso

2001  L’Officina, Magliaso

2002  Galerie HILT, Basel

 

Zur Beachtung: es kann sein, dass abgebildete Werke nicht mehr im Angebot erhältlich sind. Aktuelle Angebote auf Anfrage. Besten Dank für Ihr Verständnis.


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