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   Die Künstler aus Gugging

    Johann Fischer ï Johann Garber ï Franz Kernbeis ï Johann Korec ï Heinrich Reisenbauer ï  Arnold Schmidt ï Günther Schützenhöfer  ï Oswald Tschirtner ï Karl Vondal

 


 

 

 

 

 

 

 

Art Brut und das Haus der Künstler in Gugging

Der Schweizer Psychiater Walter Morgentaler hatte 1921 als einer der ersten den Mut, seinen Patienten, den mittlerweile berühmten Adolf Wölfli (1864 – 1930) als Künstler zu bezeichnen. Sein deutscher Kollege Hans Prinzhorn beschrieb in einem 1922 veröffentlichten Buch die Schönheit und den Einfallsreichtum in den Bildern psychisch Kranker. Es fand grosses Echo in der Kunstwelt und legte den Grundstein für die Auseinandersetzung über Kunst und Psychiatrie. Diese fruchtbare Phase wurde u.a. als Beweis für die «Entartung» der Kunst der damaligen zeitgenössischen Künstler missbraucht.

In den 1940er Jahren postulierte der Maler Jean Dubuffet erstmals den Begriff «Art Brut» (brut = roh, unverfälscht) für diese Kunst, die frei von herkömmlichen Wertmassstäben unbelastet von kunsthistorischen Wertigkeiten dem Inneren des Künstlers entspringt. Art Brut war für Dubuffet die schöpferische Arbeit von Aussenseitern der Gesellschaft, die keiner Kunstrichtung und keinem Stil verpflichtet sind, sondern persönliche, tief empfundene Begebenheiten mit ihrem eigenen Ausdrucksvermögen widerspiegeln.

Der Psychiater Leo Navratil begann in den 1950er Jahren im Niederösterreichischen Landeskrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie in Gugging aus rein wissenschaftlichem Interesse Testzeichnungen mit Patienten durchzuführen. Bald zeigte sich, dass es unter den Tausenden von Patientenzeichnungen einzelne gab, die etwas Besonderes darstellten. Ihr Stil liess sich nicht in psychiatrischen Schubladen wie «Depression», «Psychose» oder «Manie» einordnen, was ihn dazu bewegte, über seine wissenschaftlichen Untersuchungen hinauszugehen. Dabei entdeckte er, unter anderem im Dialog mit Dubuffet, dass einige dieser zeichnenden Menschen das Talent aufwiesen, neue kreative Gestaltung zu entwickeln.

Ab 1970 präsentierte er Werke der «Künstler aus Gugging» in Galerien und Museen, 1981 erfolgte die Gründung des «Zentrums für Kunst und Psychotherapie» als Teil der Klinik – eine örtlich abgetrennte Wohngemeinschaft zum zeichnen und malen.

Dr. Johann Feilacher übernahm 1986 die Leitung des in «Haus der Künstler» umgetauften und inzwischen autonomen Hauses. Es dient auch heute noch als Wohn- und Arbeitsstätte und ist zugleich auch Museum, Galerie und Kommunikationsraum. Um die Werke auch kunsthistorisch aufzuarbeiten, wurde ein Verein gegründet, über den dank Subventionen Jungakademiker angestellt werden konnten. Diese «Freunde des Hauses der Künstler in Gugging» hat u.a. die Aufgabe, die Werke der Künstler zu dokumentieren.

Während Navratil noch das künstlerische Talent als kausale Folge der psychischen Erkrankung ansah und sein Interesse vor allem der Psychopathologie galt, legt Feilacher das Hauptgewicht auf das Ausleben und die unbeschränkte Entwicklung des künstlerischen Talents der Hausbewohner. Das eigenständige, nahezu normale Leben als freischaffender Künstler wird gefördert, indem jeder Künstler Mitbesitzer einer Gesellschaft ist, welche Ausstellungen organisiert und den Verkauf der Kunstwerke regelt. Dadurch können die Künstler ihren Unterhalt zum grössten Teil selbst bestreiten und erfahren eine direkte Anerkennung ihrer Arbeit. Das Selbstwertgefühl und die finanziellen Mittel ermöglichen ihnen das zu tun, was anderen selbstverständlich erscheint: Kleider kaufen, in ein Restaurant essen gehen, einen Fernseher erwerben...

Eines der Anliegen Feilachers ist es auch, das «Psychiatrie-Image» abzubauen: Menschen mit psychischen Problemen sollen nicht einfach als «malende Patienten» gelten, die in unserer Gesellschaft oft Almosenempfänger mit einem niedrigem sozialen Status sind. Nicht das voyeuristische Interesse an deren privater Geschichte und Problematik, sondern die Achtung und Anerkennung als talentierter Mensch soll im Vordergrund stehen.

Dass psychisch Kranke Grossartiges und Einmaliges hervorbringen können und nicht alleine die Psychose das Talent und die Kreativität auslösen, haben u.a. Oswald Tschirtner und der 1996 verstorbene Johann Hauser mit ihren Arbeiten belegt.

Quelle: Dr. Johann Feilacher und Mag. Nina Katschnig / lf

 

 


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